Dr. Sternberg in Ibbenbüren

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Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Dr. Thomas Sternberg war zu Gast in Ibbenbüren
Bodenständig ist er geblieben, die Bäckerlehre war ihm sehr wichtig. Wegen gesundheitlicher Probleme sollte er umschulen auf einfachen Dienst bei Post oder Bahn,  zog es dann aber vor zum Abendgymnasium zu gehen.  In Kooperation mit der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und dem Evangelischen Arbeitskreis der CDU im Kreis Steinfurt (EAK) hatten Markus Weweler und Beate Schnittger von der KAB St.-Johannes Bosco Ibbenbüren, Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg als prominenten Redner für einen „Politischen Nachmittag“ im Bosco-Haus gewonnen. Mehr als 80 Personen waren gekommen um Prof. Sternberg einmal näher kennenzulernen.
Sternberg begann mit der Frage: „Wie können wir uns in einer pluralistischen Gesellschaft als Christen politisch sozial engagieren“? Die Zuhörer konnten sich anhand von Daten, Zahlen, Fakten eine eigene Meinung bilden. Sternberg erklärte: „In eine Stadt wie Leipzig, in der im letzten Jahr der Katholikentag stattgefunden hat, seien 4,3 % katholisch, 20% getauft und 80% konfessionslos.  In Deutschland leben zur Zeit 29% Katholiken, 27% Protestanten und 43% Andersgläubige. Deutschland wird nicht christlicher sondern säkularer“. Schon rein rechnerisch sei die Ökumene sinnvoll, sprach sich Sternberg für ein enges Zusammengehen der Konfessionen aus. Wie können wir uns als Christen politisch engagieren oder auftreten? Als Beispiele nannte Sternberg die Sterbehilfe-Debatte und den Umgang mit Flüchtlingen. Ein Notleidender, wird nicht gefragt, wer er ist, woher er kommt, welchen Glauben er hat. Solche humanitären Positionen, die dem christlichen Wertesystem zugrunde liegen, geraten immer mehr aus dem Blick.  Hier müssen wir gut aufgestellt sein, um möglichst überzeugend eine christlich soziale Politik betreiben zu können. Gerade wir Christen sollten nicht die Moralkeule schwingen, sondern wir müssen uns einmischen, nicht auftrumpfen sondern überzeugen, nicht autoritär agieren sondern partnerschaftlich miteinander umgehen. Deutschland ist nicht kollabiert an den Flüchtlingen. Sternberg bedankte sich bei den Frauen und Männern der Katholischen Arbeitnehmerbewegung sie haben in der Flüchtlingsarbeit mitgeholfen, haben angepackt.
Ein ganz wichtiges Thema des ZdK-Präsidenten sind die Gespräche über Andersgläubigen. Es müssen Dialoge mit dem Islam geführt werden. Wir müssen ganz dringend gemeinsam mit gemäßigten Muslimen gegen die Pervertierung Ihrer Religion im Islamismus ankämpfen. Sternberg machte deutlich, dass der Islamismus die perverse Ausnutzung von religiösen Themen für andere Interessen und Ansätze ist. Aber generell vom gewalttätigen Islam zu sprechen, wäre die falsche Diskussion. Damit würden wir eine Stimmung in Deutschland bekommen, der wir unter Umständen nicht mehr Herr werden könnten.
Wir müssen aufpassen, dass nicht eine antiislamische Stimmung produziert wird, die wir später nicht mehr einfangen können.
Auf die Frage, warum die AfD zum letzten Katholikentag in Leipzig nicht eingeladen wurde, sagte Sternberg: „Wir haben die AfD nicht eingeladen und nicht ausgeladen. Wir haben auch andere Parteien weder eingeladen noch ausgeladen. Wir haben noch nie eine Partei zum Katholikentag eingeladen. Es werden immer nur Personen auf`s  Podium eingeladen, die etwas zum aktuellen Thema beizutragen haben. Beim letzten Katholikentag in Leipzig ging es um das Thema Flüchtlinge. Mein Vorgänger Alois Glück wollte Frauke Petry hierzu nicht einladen, weil ihre Position eindeutig gegen alles ist, wofür wir uns als Christen vehement einsetzen. Der Katholikentag hatte einen Vorteil, er hatte zumindest eine klare Aussage: Man konnte nicht nachher sagen: Schau mal, katholisch geht alles – nein katholisch geht nicht alles und christlich geht auch nicht alles, menschenverachtende Positionen gehen nicht. Aussortieren der Menschen nach nationalen Kriterien geht nicht. Menschenwürde, Akzeptanz des Menschen nach seiner persönlichen Leistungsfähigkeit sind für Christen nicht verhandelbar“.

 

Auf dem Foto von links nach rechts:

Beate Schnittger (Vorsitzende KAB), Markus Weweler (Organisator, stellv. Vors. KAB), Prof. Dr. Thomas Sternberg, Andreas Stullich (MdL), Anja Karliczek (MdB)

Interview mit Dr.Sternberg aus der Presse

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